Catherina Godwin – Hochzeitsreise
Okt04

Catherina Godwin – Hochzeitsreise

HOCHZEITSREISE Von Catherina Godwin     Bunte Streifen der Felder wandten sich in rascher Flucht – Telegraphendrähte stiegen, fielen – eilend jagte der Zug durch die sonnenflimmernde Landschaft. Weit blaute der leuchtende Himmel Italiens. Spielende Lichter glitten über den Strauß vielfarbiger Rosen, der auf Lyzzies weißem Kleide ruhte. Sie band langsam Blüten und Knospen auseinander — die schon ein wenig ermattet an hohen...

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Catherina Godwin: Zwei traurige Glossen
Okt03

Catherina Godwin: Zwei traurige Glossen

ZWEI TRAURIGE GLOSSEN Von Catherina Godwin   I. ENTLOBT Da ich begriff — dieser Mann — lief ich weg. Ich lief die Treppe hinunter und weinte. Ich weinte aus einer großen Unruhe heraus, denn ich wußte, er würde mir Gutes tun, und ich habe mich gleich gepudert und einem anderen telephoniert, einem Kalten, einem Egoisten, einem Verräter von Klasse. Es ist unsäglich schwer für einen Enttäuschungsdressierten — unsäglich schwer...

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Catherina Godwin – Das heilige Motiv
Okt02

Catherina Godwin – Das heilige Motiv

DAS HEILIGE MOTIV Von Catherina Godwin Letzten Endes sind wir alle auf das Resultat Dressierte. Und Tausende starren heute nur nach dem entsetzlichen Resultat des Augenblicks — vor ihnen ist Zerstörung, Umwälzung, Qual und Tod. Die Hast und die Mechanisierung des modernen Lebens raubt uns die klare Erkenntnis der wahren Motive. Wer nimmt sich noch die Zeit nach den Motiven Anderer zu forschen! Die Anderen klassifizieren sich für uns...

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Catherina Godwin – Der Dichter und der Krieg
Okt02

Catherina Godwin – Der Dichter und der Krieg

DER DICHTER UND DER KRIEG Von Catherina Godwin In dem Momente, da elementar das große Ereignis hereinbricht – das über das Schicksal von Völkermassen hinweg auch zum Schicksal jedes Einzelnen sich gestaltet – werden diejenigen Menschen, die der Wirklichkeit am nächsten stehen, auch die Kraft ihrer Empfindung am schnellsten in die Tat umsetzen können. Anders die, die der Wirklichkeit ferner gegenüberstehen, deren eigentliches Reich die...

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Catherina Godwin: Agonie einer Liebe
Okt02

Catherina Godwin: Agonie einer Liebe

AGONIE EINER LIEBE Von Catherina Godwin „Und dann warst Du ganz entzückend und rührend verlegen, als Kowalsky hereinkam, und Du so ängstlich warst, daß er vielleicht etwas bemerkt hätte –.“ Sera saß, das Köpfchen an Harrys Schulter gelehnt. Sie schaute den leisegleitenden, seltsam sich wirrenden und krümmenden Linien des Rauches nach, der aus Harrys Zigarette aufsteigend, langsam mit den Schatten des Zimmers sich verwob. Hell...

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Catherina Godwin: Die Liebe als Bild
Okt02

Catherina Godwin: Die Liebe als Bild

  Die Liebe als Bild Von Catherina Godwin In fünfzehn Jahren wirst du wohl ein Herr sein, der dem, den ich heute liebe, wenig ähnelt. Vieleicht wäre mein Leben ganz andere Bahnen gegangen, wenn die Natur dich 15 Jahre früher geschaffen hätte und du mir nicht als der degenerierte, scharfgeschnittene Rassemensch begegnet wärest, sondern als der, der du dann womöglich sein wirst, bei dem Degeneration und Rasse schon ein wenig in der...

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Catherina Godwin: Warten
Okt02

Catherina Godwin: Warten

  Warten Von Catherina Godwin Heute – heute endlich! Fünf Monate hatte sie ihn nicht gesehen – Lissy erschien es plötzlich unfaßlich, daß sie Tag um Tag verbracht – so viele Wochen – fern von ihm. Sie arrangierte abermals den langgestielten Flieder in der hohen Vase, sah ungeduldig nach der Bronzeuhr, die auf dem Schreibtisch stand. Ein Viertel vor 7 Uhr – noch fünfzehn Minuten – – vielleicht kam er schon etwas früher — Seit 6...

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Catherina Godwin: Der ewige Krieg
Apr06

Catherina Godwin: Der ewige Krieg

Der ewige Krieg Von Catherina Godwin Als ich im Frühling den mächtigen Friedenspalast in Haag zum ersten Male sah, schien eine Atmosphäre von Verlassenheit den kahlen Riesenbau zu umschweben. Oede starrten aus rotem Gestein die trüben Fensterscheiben, hinter denen sich kein Leben regte. Rückerinnernd scheint mir jener Friedenspalast wie das Symbol seiner eigenen mächtigen Idee, die verlassen und unbelebt, ewig unzeitgemäß bleiben muß....

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Catherina Godwin: Die Mode im Gefühlsleben
Feb25

Catherina Godwin: Die Mode im Gefühlsleben

    Die Mode im Gefühlsleben von Catherina Godwin Gefühle, so glauben wir, müssten international sein, sie müssten über alles Zeitliche hinüber die Brücke in alle Zeiten sein. Doch sind die Gefühle bei den Völkern und ihren Kasten von den wechselnden Sitten gefärbt, von der schwankenden Moralauffassung beeinflusst, sie variieren in ihrem herrschenden Ausdruck, um es kurz zu sagen: auch sie sind der Mode unterworfen....

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Zwei kurze Geschichten von Catherina Godwin
Feb25

Zwei kurze Geschichten von Catherina Godwin

    Zwei kurze Geschichten Von Catherina Godwin SPAZIERGANG Ein junges Paar ging über eine blumige Sommerwiese. Sie kamen an einen schmalen Bach, wo in durchsichtigem Wasser viele muntere Fische schwammen. Da sagte der junge Mann: sieh nur die vielen munteren Fischlein! – Das junge Mädchen aber mußte auf ein totes Fischlein schauen, dessen Leib blaß und reglos am Rande des Baches lag. Sie gingen weiter und kamen an einen...

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