Zeitmanagement: Pomodoro

Zugegeben: Zeitmanagement-Systeme und andere Produktivitäts-Booster können das grundlegende Problem einer effizienten Selbstorganisation nicht lösen. Sie verdienen es aber in jedem Fall, genauer in Augenschein genommen zu werden, denn manchmal kann man sie tatsächlich mit Gewinn in seine individuellen Workflows integrieren, und manchmal lassen sie sich zumindest teilweise verwenden oder den eigenen Ansprüchen anpassen und sparen auf diese Art und Weise den Aufwand, das Rad neu zu erfinden um sich eine eigene Struktur aufzubauen.

Produktivität steigern mit der Tomate
Ein solches System, das Beachtung verdient, ist die Pomodoro-Technik. Diese Zeitmanagement-Methode, die Francesco Cirillo in den 1980er Jahren mit seiner Küchen-Kurzzeituhr in Form einer Plastiktomate entwickelte, basiert auf der Erkenntnis [respektive: Behauptung], dass die Aufmerksamkeitsspanne eines Erwachsenen und somit die optimale Länge eines Arbeitsabschnitts etwa 25 Minuten beträgt. Projekt-Sprints werden daher in Schritte von dieser Länge unterteilt, die von fünfminütigen Päuschen unterbrochen werden. Der Nutzen soll darin bestehen, die Konzentration, geistige Beweglichkeit und Effizienz zu verbessern und gleichzeitig Angstblockaden wie von Henri Bergson und Eugène Minkowski beschrieben zu vermeiden.

Scrum lässt grüßen: Keine Ablenkungen erlaubt
Ich verwende Pomodoro vor allem, wenn ich eine zeitkritische Aufgabe zu lösen habe und mich dazu zwingen möchte, fokussiert und schnell daran zu arbeiten. Die Methode eignet sich daher bestens zur Unterstützung agiler Worksflows — in meinem Fall ein stark für meine persönlichen Eigenheiten individualisiertes Personal Scrumban, auf das ich in den nächsten Tagen in einem weiteren Artikel näher eingehen werde. Wie beim Scrum ist es wichtig, sich nicht stören oder ablenken zu lassen. Als Einzelkämpfer muss man also sein eigener Scrum Master sein und alle Ablenkungen und Störungen von sich selbst fern halten.

Wie immer: Gesunder Menschenverstand ist der Schlüssel.
Das Problem mit guten Ideen ist häufig, dass sie sofort zum Dogma erhoben werden. Wir kennen das Phänomen von Scrum, Lean Startup und anderen Buzzwords: Alles muss “according to the book” erfolgen, Abweichungen gelten als Katastrophe. Anstatt sich nach Bedarf zu bedienen und unbenötigte Komponenten links liegen zu lassen, ist man peinlich bemüht, sich ohne weiteres Hinterfragen allen Regeln einer Methode zu unterwerfen, um ja auch “alles richtig” zu machen. Anstatt dem ausgestreckten Finger zu folgen, der zum Mond zeigt, setzt man sich hin und betet den Finger an. Anstatt sich zu befreien, legt man sich selbst die Fußschellen an. Das Ergebnis ist ein starres Framework mit dem agilen Charme einer Umsatzsteuerfestsetzung, das seinen Anwender zusätzlich knechtet, anstatt ihm mehr Spielraum und Effizienz zu verschaffen. Mein Tipp für Pomodoro lautet daher, alle von Pomodoro postulierten Regeln den jeweiligen Projektanforderungen, persönlichen Vorlieben und der Tagesform anzupassen bzw. in andere Systeme wie Personal Kanban oder Scrumban zu integrieren. Denn nur so kann Pomodoro das sein, was es beabsichtigt: Eine persönliche Methode zur Produktivitätssteigerung und vor allem zur Aufweitung von Flaschenhälsen.

Pomodoro in a Nutshell – so einfach geht’s

  1. Aufgabe ausformulieren – hierzu bieten sich die aus Scrum bekannten User Stories an
  2. Projekt in 25-minütigen Arbeitsschritten (“Pomodori”) bearbeiten
  3. Zu jeder Pause die gelösten Teilaufgaben abhaken
  4. Alle vier Pomodori eine längere Pause einlegen

Mehr zu Pomodoro gibt’s auf der Website von Francesco Cirillo. Viel Spaß!

Author: Andreas Schüler

Geboren 1970 · Aufgewachsen in Nordhessen · Studium in Frankfurt und Halle · Stationen als Ghostwriter, Konzepter, Art Director, Onlineredakteur, Creative Director Text, Chief Marketing Officer · Bibliophiler, Ehemann und Papa.

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